Wir laden Sie herzlich zu unserem 2. Fachvortrag zum Thema AD(H)S ein:
„Algorithmus-Hyperfokus: Die digitale Dopamin-Falle bei ADHS“
Referent: Dr. Arkaç, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Fachklinik Sonneneck, Badenweiler
Datum: Freitag, 24. April 2026, 16:30 – 18:00 Uhr
Die Präsenzteilnahme an der Fortbildung ist mit 2 CME-Punkten von der LÄK zertifiziert.
Bei entsprechendem Interesse zeichnen wir die Fortbildung auf und stellen sie auf unserer Website zum Download zur Verfügung.
Mehr zum Thema des Vortrages:
Wenn Neurobiologie auf Algorithmen trifft
Erwachsene mit AD(H)S sind in besonderer Weise anfällig für die Wirkmechanismen digitaler Plattformen. Ein zentrales Problem liegt in einem chronischen Dopamin-Defizit im Belohnungssystem, das auf eine Umwelt trifft, die durch permanente, hochfrequente Reize geprägt ist. Smartphones und soziale Medien fungieren dabei wie ein „externer Dopamin-Injektor“: Sie liefern kontinuierlich kleine Belohnungsimpulse („Instant Gratification“), die kurzfristig stabilisieren, langfristig jedoch dysregulierend wirken.
Die neurobiologischen Grundlagen und der Teufelskreis von AD(H)S und
digitaler Mediennutzung
Die Wechselwirkung basiert auf zentralen Mechanismen:
- Hypofunktion des ventralen Striatums („Reward Deficiency“)
- Eingeschränkte präfrontale Kontrolle (verminderte Impulskontrolle)
- Verstärkte Dopamin-Spikes durch digitale Reize
Hinzu kommt eine verzögerte Reifung exekutiver Funktionen, wodurch Selbststeuerung, Planung und Impulskontrolle eingeschränkt sind.
S -O -R -K -C
Situation – Organismus – Reaktion – Konsequenzen – Kontingenz
Die Beziehung ist wechselseitig:
- AD(H)S erschwert die Kontrolle über Medienkonsum
- Übermäßige Nutzung verschlechtert durch neurobiologische Anpassungen die AD(H)S -Symptomatik
So entsteht eine sich selbst verstärkende Schleife, in der Impulsivität und digitale Belohnungssysteme ineinandergreifen.
Was Studien zeigen
Die aktuelle Datenlage unterstreicht die klinische Relevanz:
- Bis zu einem Drittel der Patienten mit Internetnutzungsstörung hat ein adultes AD(H)S
- Betroffene haben ein 3–4-fach erhöhtes Risiko für problematische Mediennutzung
Diese Zahlen verdeutlichen: Digitale Suchtphänomene sind bei AD(H)S keine Randerscheinung, sondern ein zentraler klinischer Faktor.
Psychologische Dynamiken: Warum es so schwer ist aufzuhören
Mehrere Mechanismen greifen ineinander:
- Emotionale Entlastung: Digitale Medien regulieren kurzfristig Stress, Langeweile und innere Unruhe
- Hyperfokus: Algorithmen verstärken gezielt die Aufmerksamkeitsbindung
- Zeitblindheit: Der Wechsel von digitalen zu realen Aufgaben fällt schwer.
Es entsteht ein typischer Kreislauf:
Innere Anspannung → digitale Nutzung → kurzfristige Entlastung → Erschöpfung/Scham → erneute Nutzung
Bedeutung für Diagnostik und Therapie
Für die klinische Praxis ergeben sich klare Konsequenzen:
- Systematische Erfassung digitaler Nutzung bei AD(H)S -Diagnostik
- Integration in Therapieplanung (Psychoedukation, Verhaltensstrategien)
- Stärkung exekutiver Funktionen und Selbstregulation
- Bewusster Umgang mit digitalen Reizen als therapeutisches Ziel
Fazit
Die Kombination aus AD(H)S und digitaler Reizüberflutung stellt eine der zentralen Herausforderungen moderner Psychiatrie und Psychotherapie dar. Ein integratives Verständnis aus Neurobiologie, Psychologie und digitaler Umwelt ist entscheidend für eine wirksame Behandlung.

