„Auferstehung“

Impulsvortrag von Heike Lechner am Ostersonntag, den 12.04.2020

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Vielleicht ist das schon lange her. Ich bin sicher, Sie kennen das Gefühl.

Vielleicht ist da sogar noch eine konkrete Erinnerung…

 

Sie sind eingeladen, sich einen Stein auszuwählen: Ein Stein, der sie anspricht, der Ihnen vielleicht gerade auf dem Herzen liegt

Da fiel mir ein Stein vom Herzen – Welche Erleichterung! Plötzlich fühlte sich das Leben um einiges leichter an. Plötzlich ist das Aufstehen und Losgehen wieder möglich.

Nicht nur – aber auch – um einen Stein geht es an Ostern.

Beginnen wir mit dem Bibelbericht, dem Markus Evangelium.

Ich will ein bisschen davon erzählen, weil ich davon ausgehe, dass wir unterschiedliche Kenntnisse und Erfahrungen mit Bibeltexten haben.

Das MkEv – oder: Die Frohe Botschaft nach Markus. Es ist das älteste Evangelium, geschrieben ca. 70 n. Chr., wahrscheinlich in Syrien. So lautet die wissenschaftliche Bibelforschung.

Es ist das kürzeste Evangelium, in einer sehr knappen, schriftstellerisch nicht geschliffenen, Sprache verfasst. Nicht zu vergleichen mit der theologischen Tiefe und schönen Sprache des JohEv.

Der Schriftsteller, Markus genannt, verfasst die erste zusammenhängende Chronologie. Er verschriftet das Leben Jesu von der Taufe bis zum Kreuz. Vorher gab es nur mündliche Überlieferungen. Offensichtlich hatten diese eine so große Bedeutung, dass man sie auch auf Papier festhalten wollte.

Das MkEv beginnt mit der Taufe Jesu – es folgt sein vollmächtiges Wirken: Er beruft die Jünger, predigt, heilt Kranke, treibt böse Geister aus – früh schon kommt im MkEv die erste Ankündigung der Leiden Jesu und damit die Ausrichtung nach Jerusalem. Und damit auf seinen Weg zum Kreuzestod.  Den Schluss des Evangeliums bildet ein kurzer Bericht um die Geschehnisse nach der Auferstehung.

Das besondere des MkEv ist das sog. Messiasgeheimnis: Die Menschen, denen er begegnet, wissen nicht, dass es sich um den Messias, den Christus, handelt. Den Geheilten, die ihn erkennen, gebietet er zu schweigen. Heute würde man sagen, der Jesus des MkEv ist der typische Anti-Held.

Alles läuft auf das Kreuz hin. Und so ist es auch ein römischer Hauptmann, kein Anhänger Jesu, der in dem Gekreuzigten den Messias erkennt. „Wahrlich, dieser Mensch war Gottes Sohn!“

Es ist der Bericht des Todes Jesus von Nazareth: Da ist also einer ins Dunkel, in den Tod hinabgestiegen. Nichts ist mehr geblieben von der Hoffnung – nicht für ihn selbst und auch nicht für die, die an ihn glaubten und ihm nachfolgten. Die Jünger haben ihn enttäuscht verlassen oder aus Angst ums eigene Leben im Stich gelassen. Allein stirbt er und, als wäre dies nicht schon genug, wird vor sein Grab ein großer Stein gewälzt. Im Text wird die Größe des Steines extra erwähnt. Versiegelt wird seine Ruhestätte. Kein Lichtstrahl dringt hindurch. Das könnte der Schluss einer traurigen Geschichte sein … Ist es aber nicht.

Denn dann, so erzählt der Evangelist Markus, kommen die Frauen:

1 „Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. 2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. 3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? 4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. 5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. 6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. 7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. 8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.“

Markus Evangelium 16,1-8                           Lutherbibel rev. Fassung 2017

Die Frauen trauen sich! Sie wollen diesem Jesus die letzte Ehre erweisen und seinen Leichnam salben, wie es damals üblich war.

Und die Überraschung für die Frauen ist groß:  Ihre Sorge, wer ihnen den Grabstein wegwälzt, ist unbegründet – der Stein ist bereits zur Seite gerollt. Im Geheimnis bleibt, wann und von wem.

Es gibt Bibelberichte von Begegnungen mit dem auferstanden Jesus Christus, z.B. die Erfahrung der Jünger auf dem Weg nach Emmaus. – Mehr als diese Berichte, lässt mich der weggerollte Stein und das leere Grab hoffen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Da ist etwas geschehen, da hat der Tod nicht über die Hoffnung gesiegt. Da fällt das Licht des Ostermorgens ins leere Grab. Und macht es hell, und licht und lässt die Geschichte weitergehen.

Und die Frauen, die mutigen – jetzt erschrecken sie doch … Und natürlich wird ihnen gesagt, sie sollen sich nicht fürchten. Das kommt häufiger vor in der Bibel! Und natürlich fürchten sie sich trotzdem. Das ist ihnen nicht geheuer. Gerade dies ist doch so glaubhaft – würde es uns anders gehen?!

Neben der Frohen Botschaft, die die Evangelien für Christen bedeuten, weist die Geschichte der Auferstehung über sich hinaus. Da ist ein Aufatmen, ob der Hoffnung, von der diese Geschichte berichtet.

Die Geschichte Jesu war mit seinem Sterben und seiner Grablegung eigentlich zu Ende. Seine Anhänger waren in alle Winde verstreut, hatten ihn im Stich gelassen. Was auch immer danach geschehen ist, hat die Geschichte fortgesetzt und hat das Christentum entstehen lassen.

Es gibt nichts schön zu reden: Der Auferstehung geht das Dunkel, der tiefste Punkt der Lebenskrise voraus.  Der will erreicht sein. Ohne die Tiefe der Nacht würde es kein Morgenrot geben. Nicht für die Christenheit und nicht für jeden einzelnen von uns.

Damit weist das MkEv als Botschaft für die Christen über sich hinaus. Es ist keine Geschichte zum Zuklappen – Aha, so war das damals… Da öffnet sich der Raum für persönliche Schlüsse bis heute.

Ich vermute, jede und jeder von ihnen hat erfahren, wie es sich anfühlt, einsam zu sein. Sich verlassen zu fühlen, im Dunkeln zu sitzen. Zu spüren, wie schwer es werden kann, die Hoffnung auf bessere Zeiten aufrecht zu halten Und dass da ein Stein schwer und schier unverrückbar auf dem Herzen liegt. Ostern will erinnern: Es ist möglich, dass Steine bewegt werden. Mag es ein Geheimnis bleiben, durch wen oder wie. Es ist müßig, danach zu fragen.

Der Auftrag aber an die Frauen ist: Geht, macht euch auf den Weg – bleibt nicht stehen bei dem Vergangenen, haltet nicht fest an dem, was nicht mehr ist. Auch, wenn euch zum Fürchten ist.

Deshalb gefällt mir das MkEv so gut: Es lässt Raum für persönliche Schlüsse. Es hat viele Schlüsse – Ihren und meinen. Unsere eigenen Erfahrungen mit Auferstehung.

Jeder hat seinen eigenen Stein auf dem Herzen, jeder seinen eigenen Ausgang aus dem Dunkel. Wir machen unsere eigenen Erfahrungen mit Auferstehung.

Marie Luise Kaschnitz berichtet von der Auferstehung in ihrem Leben.  Die Dichterin ist 1901 in Karlsruhe geboren. Erfahrungen ihres bewegten Lebens, das auch sehr leidvolle Zeiten für sie bereithielt, hat sie in Geschichten und Gedichte gefasst.  Im Besonderen berührt hat mich ihr Gedicht Auferstehung – Nicht nur zu Ostern:

„Auferstehung                       

Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut

Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.

Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.

Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.“

– Marie Luise Kaschnitz –

Wir wissen nicht wie es geschieht. Unspektakulär geschieht es, fast nebenbei: Mitten am Tag…

An unserem Alltag ändert sich nichts – alles Äußere bleibt wie gewohnt.

Fürchtet Euch nicht!

Und doch vollzieht sich nach einer geheimnisvollen Ordnung unsere eigene Auferstehung. Da wird der Weg frei für das Haus aus Licht, in dem wir noch nicht angekommen sind. Zu dem wir aber unterwegs sind.

Am Ostermorgen ist es nicht so wichtig alles zu wissen, alles erklären zu können.

Vielleicht tut es gut, die alte Geschichte des MkEv zu hören, die erzählt, dass Steine weichen können. Oder die vergleichsweise moderne Erfahrung der Dichterin Kaschnitz, dass sich auch in unserem kleinen, unspektakulären Alltag das Licht Bahn brechen kann.

Beides gehört zusammen, die Schwere des Steines auf unserem Herzen, unserer Seele und die Kraft der Hoffnung, die Verbündete des Lichtes. Ich möchte am Ende dieses Vortrages Gesegnete Ostern Wünschen mit dem Zuruf des MkEv „Fürchtet euch nicht!“.

Achtsamer Spaziergang zum Anbruch des Tages

mit Heike Lechner am Ostersonntag, den 12.04.2020 im Park der Fachklinik Sonneneck

"Wenn die Nacht am dunkelsten ist, bricht der neue Tag an"

Ich begrüße Sie sehr herzlich an diesem Ostermorgen. In der Tradition des Kirchenjahres wird die Nacht von Samstag auf Ostersonntag gefeiert. Und zum Zeichen, dass der dunkelste Tag – der Karfreitag –  vorüber ist, wird häufig ein Osterfeuer angezündet, das Licht bricht sich Bahn in der Dunkelheit. Wir haben nun kein Osterfeuer, aber wir spüren am frühen Morgen in ganz besonderer Weise das Licht nach der Dunkelheit, der Nacht. Dieser achtsamer Spaziergang ist eine Einladung, dies mit all unseren Sinnen in sehr langsamem Gehen zu tun. Wir bleiben im Park der Klinik in einer Umgebung der Sicherheit und ich werde zunächst eine Einleitung zu den einzelnen Sinneswahrnehmungen geben. Im Stehen, die Hände vielleicht ineinander geschlagen – da hören wir. Schließen Sie die Augen für einen Moment oder lassen Sie die Augenlider entspannt sein. Und hören Sie, was es da alles an Geräuschen gibt: das Vogelgezwitscher, Spechte, oder frühe Bienchen, vielleicht ein Autogeräusch – ein fernes. Wir gehen langsam und im Gehen – da schauen wir. Öffnen Sie die Augen und schauen Sie, was sich Ihrem Blick bietet: das Grün der Bäume, das Laub, die Rinde, ein Stein, eine Blüte. Und da ist das Riechen und Schmecken – wie riecht der Morgen? Die kühle Luft, frisch, vielleicht da und dort ein bisschen modrig. Vielleicht schmecken Sie auch etwas. Und dann das Spüren – unser Tastsinn. Wie spüre ich den Wind auf meinen Wangen, vielleicht im Haar. Wie kühl ist es an meinen Fingern? Ist da schon ein Sonnenstrahl, der mich ein wenig erwärmt? Wie fühlt sich der Boden unter meinen Füßen an: ist er steinig oder weich vom Moos? Und bei allem, was wir jetzt mit unseren Sinnen wahrnehmen, da müssen wir gar nicht so ernst sein, wir dürfen auch lächeln: dem Morgen zulächeln und uns selbst.

Warum schmücken wir für Ostern?

Diese Frage beantwortete Chantal Sust  bei dem österlichen Dekorieren der Fachklinik am 06.04.2020.

Wir stellen den Beitrag von Frau Sust  Ihnen gerne hier zur Verfügung. Viel Spaß beim Anschauen!

Österliches Dekorieren

„Österliches Schmücken – warum machen wir das?
An Weihnachten haben wir den Tannenbaum und an Ostern?
Da kommt der Osterhase und bringt den Kindern die Ostereier.

Wie feiert man in einer Klinik, wie feiern wir hier Ostern, das Fest von Tod und Auferstehung?
Die Natur macht es uns wunderbar und schön vor. Nach einem langen Winter, in dem alles zur Ruhe gekommen ist, fängt die Erde jetzt – wie aus dem Nichts – wieder an zu leben. Wo immer wir zur Zeit hinschauen… alles wächst und blüht in wunderschöner Fülle.
Zuerst die Schlehen, Magnolien und jetzt Kirschbäume, die überall in Blüte sind und natürlich die vielen, vielen Blumen. Narzissen – die sogenannten Osterglocken, Tulpen in allen Farben und die kleinen Primelchen. Und all das kann uns so erfreuen, das wir es gerne in unser Innerstes nehmen.
Zum österlichen Schmücken haben wir schon einiges in der Natur gesammelt und werden daraus heute Abend große Bodensträuße herrichten, die wir mit Eiern schmücken. Aus unserem gesammelten Moos und Gläsern basteln wir kleine Tischgedecke – und wenn wir dabei eine kleine Ameise entdecken, die noch im Moos spazieren geht, bringen wir das zarte Wesen natürlich in die Freiheit.
Kleine Wachteleier oder auch ein kleines Osterhäschen… viele ganz unterschiedliche Elemente werden wir verwenden, die uns dann auf den Tischen im Speisesaal für einige Zeit erfreuen und durch diese besondere österliche Zeit begleiten werden.
So kann die aufblühende Natur draußen auch in unseren inneren Räumen wirken – und wenn wir aufmerksam lauschen, unser Herz berühren.“

Unser diesjähriges Osterprogramm steht unter dem Motto „OSTERN ALS FEST DER AUFERSTEHUNGSKRÄFTE“.

Was steht uns innerlich zur Verfügung, sodass Krisen und Nöte zu Chancen und gesunden Entwicklungsimpulsen werden können?
Angepasst an die weiterhin zu erwartenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens wollen wir mit dem klinikinternen Programm unsere inneren Kräfte anregen.
Damit Sie die ausgewählten Programmpunkte auch gemeinsam mit uns zusammen erleben können, werden diese Ihnen online zur Verfügung gestellt. Die Veröffentlichungstermine werden Ihnen noch bekannt gegeben.

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Weihnachten und Jahreswechsel im Sonneneck🎄

Alljährlich an Weihnachten und Neujahr öffnet sich ein Fenster zum Kosmos, auch für uns im Sonneneck. Der Himmel ist uns in dieser Zeit besonders nahe und gemeinsam können wir die geheimnisvollen Kräfte der heiligen Tage und Nächte zwischen den Jahren erspüren.
Bei Vorträgen, künstlerischen Abendveranstaltungen und spannenden Ausflügen durch diese besondere Zeit kommen wir zusammen um gemeinsam unsere Herzen dem Universum zu öffnen.
Wir freuen uns über alle Patientinnen und Patienten , die auch in diesem Jahr das Weihnachtswunder und den Jahreswechsel gemeinsam mit uns erleben werden.

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„Geistige Osterglocken“ läuten in der Fachklinik Sonneneck vom Palmsonntag, den 14.04.2019 bis zum Ostermontag, den 22.04.2019.

Wir freuen uns auf das gemeinschaftliche Erleben interessanter Vorträge und den anschließenden Austausch in entspannter Atmosphäre.

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Treffen Sie uns auf der 26. Bad Krozinger Gesundheitsmesse am 29. und 30. September 2018

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