Anthroposophisches Konzept

Die anthroposophisch erweiterte Medizin versteht sich, so wie es der Name sagt, als Erweiterung der modernen, konventionellen Medizin. Sie bekennt sich zur naturwissenschaftlichen Grundlage der Schulmedizin, nutzt deren Erkenntnisse und Methoden und möchte diese zum Wohl des kranken Menschen erweitern. Sie ist eine integrative Medizin, die sich aus zwei Quellen speist – zum einen aus der naturwissenschaftlichen Erkenntnis, zum anderen aus geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen. Beides gehört zusammen und ergänzt sich. Leitgedanke ist das Verständnis des Menschen als materiell-körperliches, von lebendigen, seelischen und geistigen Kräften durchdrungenes Wesen, welches einen einzigartigen Lebensweg mit unverwechselbaren Erfahrungen hat. Für anthroposophisch arbeitende Ärzt*innen bilden leibliches und seelisch-geistiges Leben eine Ganzheit, sie beeinflussen sich wechselseitig. Dies in Diagnostik und Therapie zu berücksichtigen, ist eine der wesentlichen Grundlagen anthroposophischer Medizin. Sie fragt nach den körperlichen, seelischen, persönlichen und biographischen Voraussetzungen, die den Boden für eine Krankheitsentwicklung bereitet haben und setzt diese Erkenntnisse auch therapeutisch um. Die Gesundungskräfte und die jedem Menschen innewohnenden Ressourcen gilt es genauso zu erkennen, wie die krankmachenden Faktoren. Wir verstehen Krankheit nicht als Defizit, sondern als Ausdruck von Ungleichgewicht. Gesundheit und Heilung bedeutet dann das Wiedererlangen eines dynamischen inneren Gleichgewichts, welches die Basis für ein möglichst selbstbestimmtes und positiv gestaltetes Leben darstellt.

“[Die Medizin] muss lernen, dass man dem kranken Menschen nur dann gerecht werden kann, wenn man ihn sowohl in seinen körperlichen Symptomen als auch in seiner existentiellen Krise wahrnimmt und sich jederzeit vergegenwärtigt, dass diese beiden Sphären des Menschen keine verschiedenen Welten sind, sondern unaufhebbar miteinander verknüpft bleiben.”

Giovanni Maio, Professor für Bioethik in Freiburg i. Brsg.

Komplementär – nicht alternativ!

Anthroposophisch erweiterte Medizin ist keine „Alternativmedizin“ – sie will die konventionelle Medizin nicht ersetzen. Die anthroposophische Medizin setzt da, wo es notwendig ist, alles ein, was die naturwissenschaftliche Forschung und Schulmedizin für erkrankte Menschen bereithält. Dazu zählen z. B. Medikamente, Operationen, Intensivmedizin, Laboruntersuchungen und Medizintechnik. Darüber hinaus erfasst die anthroposophische Medizin den Menschen in seiner Gesamtpersönlichkeit und in seinen Lebensbesonderheiten nach menschenkundlichen Aspekten. Dazu gehören etwa die Rhythmen, die in körperlicher, seelischer und auch biographischer Hinsicht wirksam sind, Wachstums- und Regenerationskräfte, das Wach- und Schlafverhalten, der Wärmeorganismus, Körperbau und -sprache, Bewegungsfluss, die Art der Atmung und vieles mehr. Hier gilt es, sich für diese Vielfältigkeit und nicht nur für die offensichtlich „gestörten“ Funktionen zu interessieren. Die anthroposophisch erweiterte Medizin versucht also, zusätzlich zu den allgemeinen Gesetzmäßigkeiten einer Krankheit, das Charakteristische und Einzigartige des jeweiligen Menschen in das therapeutische Vorgehen einzubeziehen.

Die individuelle Medizin

Auch wenn die Krankheitsbilder sich oft gleichen, so bekommt doch jede Krankheit durch jede/n Patient*in ein eigenes Gesicht, das sich nicht von der Individualität des/der Patient*in trennen lässt. Die umfassende Berücksichtigung der individuellen Persönlichkeit der Patient*innen trägt dazu bei, den erkrankten Menschen ernst zu nehmen, mit ihm auf Augenhöhe, mit Respekt und würdevoll umzugehen. Damit ist die anthroposophisch erweiterte Medizin hochmodern. Niemand möchte auf seine Krankheit reduziert und Objekt einer Behandlung sein. Gesundheit entsteht auf der Basis der inneren und äußeren Mitarbeit der Patient*innen mithilfe der Selbstheilungskräfte. Dies zu erkennen und therapeutisch umzusetzen, sich jedem Menschen neu zuzuwenden, ist ein wichtiges Charakteristikum anthroposophischer Medizin. Wir stellen Ihnen wissenschaftlich fundiertes Wissen, Erfahrung, Urteilsfähigkeit und echtes menschliches Interesse zur Verfügung, um Ihnen angemessen zu helfen und wir arbeiten unermüdlich dafür, eine am individuellen Menschen orientierte Medizin zu verwirklichen.

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